Erziehungshilfe in der Wohngruppe

Zu einer stationären Aufnahme kommt es vom Kind her gesehen, wenn

  • anhaltende oder bereits verfestigte erzieherische oder schulische Schwierigkeiten bestehen
  • komplexe Problembelastungen im kognitiven, emotionalen u. sozialen Bereich, im Lern- und Arbeitsverhalten od. in einer körperlichen Symptomatik zu einer Gefahr für die persönliche Entwicklung werden
  • Störungen im Familiensystem die Probleme mitverursachen oder deren Überwindung erschweren
  • ambulante sozialpädagogische, psychologische oder therapeutische Maßnahmen keine nachhaltige Veränderung bewirken oder unter den gegebenen Umständen keine ausreichende Wirksamkeit versprechen

von der Familie her betrachtet, wenn

  • die bestehenden Probleme die ganze Familie in Mitleidenschaft ziehen und in einer Art Dauerkonflikt die Gefühle verstrickt erscheinen
  • Einsichten und seelische Kräfte blockiert sind und so auch der Spielraum für neues pädagogisches Handeln oder neue Erfahrungen miteinander verloren gegangen ist
  • die Bewältigung der Erziehungsaufgaben die Kräfte der Familie übersteigt (bei schweren Krisen, Konflikten, außergewöhnlichen Belastungen, bei einem Kind mit besonders großem Erziehungsbedarf)

Betreuungsstruktur

  • Jungen und Mädchen von 6 bis 16 Jahren in mehreren Wohnbereichen, die über ein Begegnungszentrum miteinander verbunden sind und auf diese Weise auch eine Hausgemeinschaft bilden. 
  • Pädagogische Bezugspersonen sind für jeweils 3 bis 5 Kinder zuständig

Zielrichtungen der Hilfe:

Der Aufenthalt in der Einrichtung

  • ermöglicht eine freiwillig gewählte und vorübergehende Distanz zueinander, die allen Entlastung bringt und eine erzieherische Neuorientierung ermöglicht
  • ergänzt über eine begrenzte Zeit und intensiv die familiären Erziehungsmöglichkeiten
  • mobilisiert durch eine Bündelung pädagogischer und therapeutischer Methoden die Entwicklungsreserven von Kind und Familie und aktiviert über neue Beziehungs- und Lernerfahrungen neue Fähigkeiten u. Verhaltensweisen zur Problembewältigung und zur Entwicklung sozialer Kompetenz
  • strebt die Rückkehr des Kindes in die Familie an und arbeitet auf die Verbesserung und Stabilisierung der familiären Erziehungsbedingungen hin und gibt Unterstützung bei der Erschließung von Ressourcen in der Lebenswelt
  • kann, wenn die Rückkehr in die eigene Familie nicht möglich ist, die Vorbereitung der Erziehung in einer Pflegefamilie oder die Hinführung zur Selbständigkeit als Alternative in die Wege leiten
  • hat das Leitziel, dem jungen Menschen unter Einbeziehung seiner Familie persönliche Entwicklungschancen für die gesellschaftliche Integration (Teilhabe an und Verantwortung für die Gesellschaft) zu eröffnen